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Was passiert, wenn plötzlich jeder Leader wird?

Writer: Bogdan Canda
Bogdan Canda
2 days ago
2 min read

BCG zeigt in der aktuellen Studie AI at Work einen bemerkenswerten Unterschied: 60 Prozent der Leader, die KI regelmäßig nutzen, sparen mindestens einen Arbeitstag pro Woche. Bei Managern sind es 52 Prozent, bei Frontline Employees 42 Prozent.


Die naheliegende Konsequenz: KI dorthin, wo der Payoff am größten ist. Nach oben.


Mich interessiert die umgekehrte Frage: Was passiert, wenn wir die Bedingungen, unter denen Leader diesen Payoff erzielen, auf die gesamte Organisation übertragen?


Dafür muss man wissen, was diese Bedingungen sind. BCG liefert einen Hinweis. 66 Prozent der Frontline-Mitarbeiter bekommen keine oder kaum Orientierung, was sie mit der gesparten Zeit anfangen sollen. Mehr als die Hälfte lenkt sie nicht in wertschaffende Arbeit. Leader haben dieses Problem nicht. Sie entscheiden selbst, was mit ihrer Zeit passiert. Der Unterschied ist nicht KI-Kompetenz. Der Unterschied ist Entscheidungshoheit.


Genau diese Hoheit verlangt die agentische Organisation von jedem. BCG meldet, dass KI-Agenten in der Praxis angekommen sind und dass Operating Models und Governance weit hinterherhinken. Die Technik ist da, das Betriebsmodell nicht. Und dieses Betriebsmodell wird so aussehen: Agenten, menschliche und künstliche, bekommen Ziele, treffen Entscheidungen, koordinieren andere Agenten und verantworten Ergebnisse.


Damit verändert KI nicht nur unsere Arbeit. KI verändert, wer führen muss.


In einer agentischen Organisation muss jeder Mensch Leader seines eigenen Verantwortungsbereichs sein. Nicht Leader im Sinne von Personalverantwortung oder Hierarchie. Sondern im eigentlichen Sinne: Ziele verstehen. Prioritäten setzen. Entscheidungen treffen. Menschliche und künstliche Agenten orchestrieren. Ergebnisse beurteilen. Verantwortung übernehmen.


Leadership wandert aus dem Organigramm in die einzelne Rolle.


Deshalb greift die Diskussion über KI-Skills zu kurz. Die Aufgabe heutiger Führungskräfte besteht nicht darin, ihre Mitarbeiter im Umgang mit KI zu schulen. Sie besteht auch nicht darin, Mitarbeiter zu Leadern zu machen. Das kann niemand. Selbstführung entsteht innen.


Was Führungskräfte tun können: die Strukturen abbauen, die Selbstführung verhindern. Freigabestufen, Eskalationspfade, Reporting-Ketten, die dafür gebaut sind, Verantwortung oben zu halten. Und dabei in Kauf nehmen, dass ein Teil ihrer eigenen Funktion mit abgebaut wird.


Die Mitarbeiter sind längst unterwegs. 72 Prozent berichten von veränderten Skill-Erwartungen, fast die Hälfte sagt, ihre Rolle verschiebt sich in Richtung Steuerung von KI. Was fehlt, sind Strukturen, die das zulassen. Und Richtung: Nur 33 Prozent der Frontline-Mitarbeiter sagen, ihre Führung kommuniziere klar über KI. Verteilte Führung ohne klare Richtung ist verteiltes Chaos.


Das ist der eigentliche Mind-Shift. Wir statten unsere Organisation nicht mit KI-Skills aus. Wir verteilen Leadership über die gesamte Organisation, und die Spitze konzentriert sich auf das, was dann noch übrig ist: Richtung statt Kontrolle.


Wenn Leadership heute den größten KI-Payoff erzielt, lautet die strategische Frage nicht, wie wir unsere Leader noch produktiver machen.


Sondern: Was passiert mit einer Organisation, in der jeder die Entscheidungshoheit über seine eigene Expertise hat?



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