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Repositioning Change

Writer: Bogdan Canda
Bogdan Canda
1 day ago
3 min read

Change Management wird heute noch genauso betrieben wie vor zwanzig Jahren. Man formuliert eine Vision, rechnet von dort zurück in die Gegenwart und entwickelt einen Plan mit Meilensteinen, Budgets und einem Enddatum. Backcasting nennt man das. Und es hat lange funktioniert.


Es funktioniert, solange die Welt hält, was der Plan voraussetzt: dass der Zielpunkt beim Ankommen noch derselbe ist wie beim Losgehen.


Diese Voraussetzung ist weg. Nicht, weil die Welt „volatiler" geworden wäre. Das sagt man seit dreißig Jahren. Sondern weil zum ersten Mal eine Komponente in der Gleichung steht, die sich schneller entwickelt, als wir Menschen uns anpassen können.


KI ist kein Werkzeug, das man einmal einführt und dann beherrscht. Was wir heute einsetzen, kann in achtzehn Monaten grundlegend anders aussehen. Wer heute eine Zielorganisation für 2029 zeichnet, zeichnet mit einem Stift, der sich während des Zeichnens verändert.


Backcasting bleibt sinnvoll, solange wir den Zielpunkt kennen. Doch wer einen unbekannten Zielzustand zum verbindlichen Endpunkt einer Transformation erklärt, verwechselt Planung mit Selbstberuhigung.


Die Leitfrage muss anders lauten


Die klassische Leitfrage jeder Transformation war: Wo wollen wir hin?

Die neue lautet: Was müssen wir heute schon können, um morgen überall hingehen zu können?


Das ist kein Verzicht auf Richtung. Richtung bleibt. Was fällt, ist die Fiktion eines unveränderlichen Zielorts. An seine Stelle tritt eine Fähigkeit: an jedem Punkt, an dem wir uns befinden, handlungsfähig zu bleiben. Auch dann, wenn dieser Punkt nicht geplant war.


Transformation heißt damit nicht mehr, eine Organisation von A nach B zu führen. Sie heißt, Menschen und Organisationen so aufzustellen, dass sie ihre Richtung selbst anpassen können, unterwegs und ohne Anleitung.


Vier Fragen, eine davon für alle


Je nach Rolle und Funktion sind vier Fragen zu beantworten:


  1. Was muss die Organisation heute schon können?

  2. Was muss ich als Führungskraft heute schon können?

  3. Was muss ich als Fachfrau oder Fachmann heute schon können?

  4. Was muss ich als Mensch heute schon können?



Die ersten drei Fragen beziehen sich auf Rollen und Verantwortlichkeiten. Wer keine Führungskraft ist, muss die zweite nicht beantworten. Wer nicht für eine Organisation verantwortlich ist, nicht die erste. Jeder beantwortet die Fragen, die seine Rolle betreffen.


Die vierte Frage gehört zu keiner Rolle. Sie gehört zu jedem.


Mutter oder Vater, Pförtner oder Vorstandsvorsitzende, Auszubildender oder Ruheständler: Niemand kommt an ihr vorbei. Und niemand kann sie für einen anderen beantworten.


Erst der Mensch, dann alles andere


Die übliche Reihenfolge lautet: zuerst die Organisation, dann die Führung, dann die Fachlichkeit. Und der Mensch, wenn noch Zeit ist.


Diese Reihenfolge ist der Fehler.


Die vierte Frage kommt zuerst. Nicht, weil sie die weichste ist, sondern weil sie die härteste ist. Sie lässt sich nicht delegieren, nicht budgetieren und nicht in ein Programm auslagern. Sie verlangt eine Antwort, die niemand außer dir geben kann.


Wie gehst du mit Unsicherheit um? Wie triffst du Entscheidungen, wenn dir niemand mehr sagen kann, was morgen richtig sein wird? Wie entwickelst du dich weiter, wenn das, was du gestern noch beherrscht hast, heute nicht mehr ausreicht?

Das sind keine Fragen an deine Funktion. Es sind Fragen an dich.


Und auf deinen Antworten baut alles Weitere auf. Eine Organisation kann nichts, was ihre Menschen nicht können. Eine Führungskraft kann von anderen keine Selbstständigkeit erwarten, wenn sie selbst an alten Gewissheiten festhält. Und fachliche Kompetenz allein reicht nicht aus, wenn der Mensch dahinter nicht bereit ist, sie immer wieder infrage zu stellen.


Die Organisation braucht neue Strukturen. Die Führung braucht neue Prinzipien. Die Fachlichkeit braucht neue Kompetenzen. Aber der Mensch muss bereit und fähig sein, sich selbst zu verändern.


Ohne diese Voraussetzung bleibt jede Transformation ein Programm, das andere für uns entworfen haben.


Was das für das Transformationsprogramm bedeutet


Ich sage das nicht von außen. Ich habe mein Berufsleben mit genau diesen Programmen verbracht: Vision vom Vorstand, Change Office daneben, Roadmap, Kommunikationskaskade, Trainingsplan. Ich verdiene bis heute Geld damit.


Und trotzdem: Wenn die vierte Frage zuerst kommt, steht das Transformationsprogramm nicht mehr am Anfang der Kette, sondern an ihrem Ende. Es führt Menschen nicht mehr zu einem Ziel. Es organisiert, was Menschen bereits können. Wer die Reihenfolge umdreht und die persönliche Veränderungsfähigkeit voraussetzt, statt bei ihr anzufangen, produziert Präsentationen über Fähigkeiten, die es in der Organisation noch nicht gibt.


Das entwertet ein Geschäftsmodell. Auch meines. Ich halte es trotzdem für richtig, weil die Alternative teurer ist: ein Programm, das eine Organisation drei Jahre lang zu einem Zielort führt, den es beim Ankommen nicht mehr gibt.


Wer bei der Organisation anfängt und den Menschen erst später mitnimmt, baut Strukturen, die auf dem Papier alles können und in der Praxis darauf warten, dass jemand sagt, wie es geht.


Wer beim Menschen anfängt, schafft die Voraussetzung für eine Organisation, die ihren Weg selbst finden kann. Auch dann, wenn sich das Ziel unterwegs verändert.


Wer nicht beim Menschen anfängt, wird scheitern. Wer nicht bei sich selbst anfängt, erst recht.




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