Who Owns The Value?
- Bogdan Canda

- 3 hours ago
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Eines der größten Missverständnisse der aktuellen AI-Welle besteht darin, Produktivität mit Wertschöpfung zu verwechseln. Kaum ein Unternehmen präsentiert heute seine AI-Initiativen ohne beeindruckende Kennzahlen: schnellere Prozesse, automatisierte Routinen, reduzierte Bearbeitungszeiten oder tausende eingesparte Arbeitsstunden.
Diese Zahlen erzeugen den Eindruck wirtschaftlichen Erfolgs. Tatsächlich beschreiben sie jedoch zunächst nur ein Potenzial. Sie sagen nichts darüber aus, ob daraus jemals ein realer wirtschaftlicher Nutzen entsteht.
Vor einigen Tagen zeigte mir ein Klient voller Stolz seine AI-Pipeline. Die Initiativen waren sauber dokumentiert, die Business Cases plausibel und die ersten Effekte bereits sichtbar. Während wir gemeinsam durch die Zahlen gingen, stellte ich eine einfache Frage: „Wo wird der Nutzen gebucht?“ Die Antwort blieb offen. Nicht weil die Projekte schlecht waren oder die Technologie versagte, sondern weil niemand definiert hatte, wie die erzielten Effizienzgewinne tatsächlich in Wert übersetzt werden sollten.
Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Managementaufgabe. Zeitersparnis ist kein Ergebnis. Sie ist lediglich freigewordene Kapazität. Wert entsteht erst dann, wenn diese Kapazität eine neue Verwendung findet. Sie kann genutzt werden, um Kosten zu senken, Wachstum zu ermöglichen, Innovationen voranzutreiben oder neue Fähigkeiten in der Organisation aufzubauen. Doch keine dieser Wirkungen entsteht automatisch. Jede einzelne erfordert bewusste Entscheidungen, Priorisierung und konsequente Steuerung.
Bemerkenswert ist, dass Unternehmen für nahezu alles einen Verantwortlichen benennen. Für Projekte gibt es Projektleiter. Für Budgets gibt es Budgetverantwortliche. Für Prozesse gibt es Process Owner. Für Risiken gibt es Governance-Strukturen. Doch wer ist verantwortlich für die Realisierung des wirtschaftlichen Nutzens?
Diese Frage bleibt erstaunlich oft unbeantwortet.
Genau deshalb scheitern viele AI-Initiativen nicht an der Technologie. Sie scheitern an fehlender Ownership. Die Organisation verfolgt die Umsetzung mit großer Disziplin, verliert jedoch das eigentliche Ziel aus den Augen: die Realisierung von Wert. Das Projekt endet mit dem Go-live. Die Verantwortung für den Nutzen endet häufig gleich mit.
Die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre wird deshalb nicht darin bestehen, weitere AI-Initiativen zu identifizieren. Daran mangelt es bereits heute nicht. Die Herausforderung wird darin bestehen, Verantwortung für den geschaffenen Wert eindeutig zuzuordnen.
Hier kommt ein Gedanke ins Spiel, der weit über AI hinausgeht. In einer Value-Center-Organisation wird Verantwortung nicht primär über Funktionen, Budgets oder Projekte definiert, sondern über Wertbeiträge. Jede Einheit trägt Verantwortung für ihren Netto-Wertbeitrag. Und jede Einheit benötigt jemanden, der diesen Wertbeitrag besitzt.
Den Value Center Owner.
Seine Aufgabe besteht nicht darin, Projekte erfolgreich abzuschließen. Seine Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass aus Initiativen tatsächlich Wert entsteht. Er verantwortet nicht die Aktivität, sondern das Ergebnis. Nicht die Implementierung, sondern die Wertrealisierung.
Damit verändert sich die Perspektive grundlegend. Die zentrale Frage lautet nicht mehr: „Haben wir die Initiative umgesetzt?“ Die zentrale Frage lautet: „Hat die Initiative den erwarteten Wert geschaffen?“ Erst wenn diese Frage positiv beantwortet werden kann, war die Initiative erfolgreich.
Vielleicht ist das die wichtigste Frage, die sich Unternehmen in den kommenden Jahren stellen müssen:
Wer besitzt den Wert?
Denn solange niemand den Wert besitzt, wird ihn auch niemand realisieren.
Und solange niemand ihn realisiert, bleibt er genau das, was viele AI-Business-Cases heute sind:
Ein Versprechen.
Keine Wertschöpfung.






